Stadtgeschichte

31.07.2012 Seite drucken

Des Königs Wusterhausen

Wusterhausen, 1320 als Burg und Ort erstmals im Zusammenhang mit einer Belehnung namentlich erwähnt, gelangte 1683 in den Besitz des Kurfürsten Friedrich III., der die Güter seinem zehnjährigen Sohn, dem Kurprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1698 zu Weihnachten schenkte. Die Geschichte des Wendisch Wusterhausen genannten Ortes ist seitdem eng mit der Preußischen Geschichte verbunden. Hier entwickelte Friedrich Wilhelm erste Grundlagen seiner Reformen in Verwaltung, Wirtschaft und Militär. Die „Langen Kerls“, Friedrich Wilhelms I. legendäre Garde hochgewachsener Soldaten, hatten hier ihren Ursprung.

Anfang des 18. Jahrhunderts wurde Wendisch Wusterhausen in Königs Wusterhausen umbenannt, ein Name, der sich jedoch nur langsam durchsetzte. Nach dem Tode des "Soldatenkönigs" verlor zwar das Jagdschloss seine überregionale Bedeutung, der Ort entwickelte sich jedoch. 1750 waren unter den ca. 240 Einwohnern kaum mehr Bauern, sondern in erster Linie Handwerker. Als Königs Wusterhausen 1832 das Marktrecht erhielt, lebten hier vor allem Gewerbetreibende und Verwaltungsbeamte. Das Stadtrecht erhielt Königs Wusterhausen erst im Jahr 1935.

Hallo, hallo, hier ist Königs Wusterhausen

Bereits im Jahre 1911 wurden auf dem damaligen Windmühlenberg von Königs Wusterhausen funktechnische Versuche durchgeführt. Damals war ein öffentlicher Rundfunk noch undenkbar. Erst am 22. Dezember 1920 wurde vom Funkerberg ein Weihnachtskonzert mit Instrumentalmusik ausgestrahlt. Der deutsche Rundfunk war geboren.

Im Jahre 1926 reichte der Platz auf dem Funkerberg nicht mehr aus. Mittlerweile standen hier drei voll ausgerüstete Sendehäuser, der 1925 erbaute 243 Meter Mittelturm sowie zwölf weitere Masten von 100 bis 210 Meter Höhe inklusive diverser Antennenanlagen. Daher errichtete man in Zeesen eine neue Großfunkstation.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden große Teile der Sendeanlagen, die fast alle unversehrt geblieben waren, im Rahmen von Reparationsleistungen an die Sowjet Union abgebaut. Bereits im Juni 1945 wurde ein Kurzwellen-Sender für militärische Zwecke in Betrieb genommen. Ein weiterer Kurzwellensender diente ab November 1945 zur Ausstrahlung des "Berliner Rundfunks". Mit der Deutschen Einheit schwand die Bedeutung des Funkerberges als Sendestandort. Der reguläre Sendebetrieb wurde nach und nach verringert und im Sommer 1995 endgültig eingestellt. Um an die Blütezeit des Sendebetriebs auf dem Funkerberg zu erinnern, trägt Königs Wusterhausen seit 2008 den Beinamen "Rundfunkstadt".